28 Dez

Schimmel im Neubau ist nicht selten

Schimmel im Neubau ist nicht selten

Wer in einem Altbau wohnt, hat häufig mit Schimmel zu kämpfen. Die Gründe hierfür sind vielfältig. Beschädigte Fassaden, nasse Keller, falsches Lüften und falsches Heizen sind nur einige Beispiele.

Anfang Dezember 2017 stand bei den Bau- und Energietagen im Ostallgäu (Süddeutschland) das Thema “Schimmel im Neubau” im Fokus. Wer neu baut, rechnet nicht damit, dass das schöne neue Eigenheim mit dem hässlichen und gesundheitsschädlichen Pilz befallen wird. Dabei ist Schimmelbefall im Neubau sogar ziemlich häufig. Warum ist das so?

Beton, Mörtel, Estrich und Putz werden mit Wasser angerührt und im Bau flüssig verarbeitet. In einem Einfamilienhaus werden so zwischen 10.000 bis 20.000 Liter Wasser eingebracht. Auch wenn diese Baumaterialien beim Einzug in das neue Haus objektiv nicht mehr flüssig sind, so sind sie jedoch auch noch nicht vollständig trocken. Die Restfeuchte ist also noch im Haus und muss nach draußen abgeführt werden – sonst wird sie zu einem Problem. Das gilt besonders in den Kälteperioden von Herbst bis Frühjahr.

Während unsere Eltern und Großeltern sich noch sehr viel Zeit gelassen haben, bis sie in ihr neu gebautes Haus gezogen sind – früher ruhte der Bau beispielsweise über Winter mit geöffneten Fenstern – kann und möchte sich das heute niemand mehr leisten. Zeit ist gleich Geld – und daher werden die Bauzeiten immer kürzer. Es ist also sehr wichtig, ein neues Haus in der ersten Zeit nach dem Einzug (Bautrocknungsphase in der Regel 2 Jahre) regelmäßig zu lüften.

Heutzutage werden Neubauten energieeffizient gebaut und gut isoliert. Das Wasser aus den Baumaterialien verdunstet also nach und nach vor allem in den Wohnbereich. Wasserdampf geht immer nach oben – das ist ein Gesetz der Physik. Das ist der Grund, warum besonders der Dachbereich gefährdet ist, von Schimmel befallen zu werden. Ganz besonders, wenn die Dachluke – also der Zugang zum Dach über den Wohnbereich – erst kurz vor dem Einzug eingebaut wird. Ein provisorisches, luftdichtes Verschließen der offenen Dachluke während der Bauphase würde also so einiges an nassen und feuchten Dachsstühlen verhindern. Übrigens: viel gravierender als Schimmelpilz sind holzzerstörende Pilze, die sich an den Dachbalken bilden und so die Tragfähigkeit der Holzkonstruktion beeinflussen.

Aber es gibt noch weitere Gründe für Schimmel im Neubau.

Wie bereits oben erwähnt sind Neubauten heutzutage gut isoliert. Genau genommen müssen sie nach §6 Energieeinsparverordnung (EnEV) sogar luftdicht sein. Mit den immer besseren Produkten zur Gebäudedämmung und der richtigen Ausführung zur dichten Bauweise kann die Baufeuchte also nicht mehr so einfach raus wie noch zu Großmutters Zeiten.

Daher ist es erforderlich, ein LÜFTUNGSKONZEPT zu entwickeln, das Feuchteschäden bei einem nach §6 EnEV luftdichten Haus verhindert. Oft lässt sich dies nur mit einem Lüftungssystem umsetzen, wie z.B. einer einfachen Abluftanlage oder einer komplexen Anlage mit kontrollierter Be- und Entlüftung und Wärmerückgewinnung.

Fehler findet man leider aber immer wieder: angefangen bei der architektonischen Planung über die Auslegung und Ausführung verschiedener Lüftungsanlagen bis hin zum Einsatz nicht vorgesehener Bauprodukte im Rohbau und im Innenausbau.

Ein weiterer Grund, warum Schimmel oder Feuchteschaden im Neubau entstehen können, ist, wenn das Haus nicht ausreichend luftdicht gebaut ist. Leckagen an der Gebäudehülle, können dazu beitragen, dass mit oder ohne Lüftungsanlage die feuchte Luft durch die Leckagen dringt. Ob nun die Baufeuchte von innen oder im Sommer die feuchte Luft von außen. Je nach Größe, Beschaffenheit und Ort der Leckage kann es dazu führen, dass sich dort über die Jahre ein Schimmel oder Feuchteschaden im oder am Bauteil bildet.

Um potenziellen Schimmel im Neubau zu vermeiden, ist ein Luftdichtigkeitstest (auch BlowerDoor Test genannt) daher  unumgänglich. Denn nur so lassen sich Mängel an der Gebäudehülle frühzeitig erkennen und beheben – bevor daraus echte Schäden entstehen.

Zu guter Letzt kann auch der Hausbesitzer / Bewohner selbst an einem Schimmelbefall im Neubau schuld sein.
Die Häuser sind nun fast bis zum Maximum gedämmt und dicht. Der Hausbesitzer hat ein Fülle von teurer und neuer Techniken in das neue Haus einbauen müssen. Nun liegt es in der Verantwortung des Bewohners, all diese technischen und physikalischen Zusammenhänge zu verstehen und richtig damit umzugehen.
Wie stelle ich die Lüftungsanlage korrekt ein? Was muss ich in der Einstellung verändern, wenn es Winter wird / wenn ich in den Urlaub fahre / wenn ich gerne bei offenem Fenster schlafe / wenn ich Besuch bekomme…? Wie häufig muss ich die Lüftungsfilter wechseln?

Mit einer kurzen Einweisung bei Inbetriebnahme der Lüftungsanlage ist es oft nicht getan, der Bewohner muss sich aktiv mit seiner Lüftungsanlage auseinander setzen.

Als Fazit kann man also sagen, dass Schimmel im Neubau durch folgende Maßnahmen zu minimieren sind:
korrekte Planung eines Luftdichtigkeitskonzepts, Wahl der optimalen Lüftungsanlage, fehlerfreie Ausführung der Planung und damit verbunden eine Qualitätssicherung während der Bauphase mit abschließendem Luftdichtigkeitstest, korrekte Lüftung (Fenster/Stoßlüftung) in der Bautrocknungsphase (auch, wenn der Hausherr bereits eingezogen ist) sowie die Aufklärung des Bewohners, über die korrekte Nutzung seiner Lüftungsanlage. 

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